Denkmäler sind Zeitzeugen. In Ihnen ist mehr als Geschichte gespeichert. Sie tragen die Gestaltungskraft von Generationen, gefüllt mit Erinnerungen und Träumen der Menschen, die uns vorausgingen. Dadurch verleihen sie historischen Bauten Ausstrahlung, Charakter und Identität, die uns seit vielen Jahren faszinieren und zur Verwirklichung unserer eigenen Hausprojekte mit denkmalpflegerischem Ansatz inspiriert haben.
Mit der VILLA SEINERZEIT haben wir ein geschichtsträchtiges Architekturjuwel aus dem 18. Jahrhundert schonend aus seinem Dornröschenschlaf erweckt, die Schätze seiner traditionsreichen Fachwerkarchitektur und Bausubstanz sorgfältig freigelegt, es im Dialog mit der Denkmalpflege schonend und nachhaltig restauriert, um es dann unter modernsten baubiologischen Gesichtspunkten behutsam und stimmig in die Gegenwart zu transferieren.
Mit ihm konnten wir unsere Vision, sowohl ein privates Refugium für uns selbst als auch außergewöhnliche Urlaubsräume für unsere Gäste erschaffen zu wollen, perfekt kombinieren.
HISTORIE
Inmitten des wunderschönen Monschauer Landschaftsraumes liegt das Baudenkmal, eingebettet in die von historischen Bruchsteinmauern terrassierte Topografie am Ufer der Rur in exponierter Lage. Rückseitig an den Felshang gebaut, fügt sich das fünfgeschossige Bauwerk eng an seinen Bauplatz und entwickelt sich geschossweise hangaufwärts. Das schlichte, klassizistisch geprägte und zugleich markante Gebäude prägt bis heute das Ortsbild.
Erbaut um 1780 in der Blütezeit der Monschauer Tuchindustrie, wurde das repräsentative Haus im Laufe seiner rund 250-jährigen Geschichte von bedeutenden Persönlichkeiten aus der Region bewohnt – darunter Notare, Ärzte- und Tuchfabrikantenfamilien, die das Gebäude bis Anfang des 21. Jahrhunderts prägten.

ERINNERUNGEN
Als wir das Haus im Jahr 2021 zum ersten Mal besuchten, war das Gebäude bereits unbewohnt. Die Räume waren noch vollständig möbliert, viele seit Jahrzehnten ungenutzt. Die Zeit schien hier stillzustehen – der Ort wirkte wie eine Zeitreise in vergangene Lebenswelten.
Gleichzeitig erkannten wir sofort das Potential des Bestandes, sahen all die historischen Qualitäten und räumlichen Schichten, die es freizulegen und neu zu interpretieren galt. Materialien, Details und Proportionen erzählten von der ursprünglichen architektonischen Intention und verliehen dem Gebäude eine besondere Atmosphäre.
Dennoch traten auch die Herausforderungen klar zutage: Die Spuren der Zeit waren sowohl im Inneren als auch an der Gebäudehülle unübersehbar. Altersbedingte Abnutzungen, bauliche Defizite und energetische Schwächen machten deutlich, dass eine sensible, zugleich aber konsequente Transformation erforderlich sein würde.

ARCHITEKTONISCHES KONZEPT
Die einst kleinteilige Raumstruktur des denkmalgeschützten Hauses wurde sorgfältig geöffnet und zu einem großzügigen, fließenden Raumkonzept zusammengeführt. In den ehemaligen Wohnetagen entstanden drei exklusive Ferienwohnungen unterschiedlicher Größe für zwei bis sechs Personen. Auch die beiden früheren Speicherebenen wurden im Zuge der Restaurierung behutsam zu privaten Wohnbereichen ausgebaut. Die Planungs- und Umbauphase dauerte insgesamt vier Jahre.
Dank der Hanglage konnte jeder der neu entstandenen Wohneinheiten ein eigener Gartenbereich zugeordnet werden. Teilweise über Stege direkt an die Wohnungen angebunden, eröffnen sie private Rückzugsorte im Grünen und schaffen eine besondere Verbindung zwischen Innen- und Außenraum.
Ziel des denkmalpflegerischen Sanierungskonzeptes war es, die bewegte Geschichte des Hauses mit seiner authentischen, ursprünglichen Atmosphäre für Gäste erlebbar zu machen und gleichzeitig höchsten Wohnansprüchen gerecht zu werden. Alles, was den besonderen Charakter des Hauses ausmacht, wurde mit großer Sorgfalt bewahrt und behutsam ergänzt.

Die achtsame räumliche Gestaltung folgt einer bewussten Reduktion auf das Wesentliche. Hochwertige, natürliche Materialien wie Lehm, uraltes Eichenholz, freigelegtes Bruchsteinmauerwerk sowie fein abgestimmte Stoffe und Farben verleihen den Räumen eine ruhige, edle Präsenz.
Basis des neuen Farbkonzeptes bilden die unter Tapetenschichten freigelegten ursprünglichen, farbigen Kalkputze aus meeresblauen und zarten Grüntönen. Die Verwendung ökologischer Materialien sorgt dabei für ein unvergleichbares, wohngesundes Raumklima und unterstreicht den respektvollen Umgang – mit dem Gebäude, seiner Geschichte und seiner Zukunft.
So sind Orte entstanden, die mehr sind als nur Wohnräume: Rückzugsorte voller Stil und Seele – geprägt von liebevollen Details, einer stimmungsvollen Inszenierung des Lichts, der passenden Verwendung von Material und Farbe bei gleichzeitiger hoher Wertigkeit in der Einrichtung und Ausstattung.

„Als Bauherrin und Architektin zugleich, lies ich mich im Entwurfsprozess ausschließlich von meiner Intuition und dem Gespür für Raum und Atmosphäre leiten. Im Zuge des Entkernens, des schichtweisen Entblätterns und des Freilegens verborgener Bauteile tauchte ich zunehmend tiefer in die jahrhundertealte Geschichte des Hauses ein. Jede freigelegte Schicht offenbarte neue Zusammenhänge und erzählerische Spuren der Vergangenheit. Das behutsame Enthüllen erwies sich dabei gleichermaßen als Herausforderung wie als Quelle der Inspiration.
Aus zunächst vagen Ideen entwickelten sich im intensiven Dialog mit dem Bestand konkrete räumliche Konzepte und ein klarer gestalterischer Ausdruck. Der Prozess des Freilegens wurde so selbst zum Entwurfsinstrument – ein kontinuierliches Abwägen zwischen Bewahren, Weiterdenken und Neuinterpretieren.“
ARCHITEKTIN SANDRA STUPPI-BARTSCH
SANIERUNGSPHASEN
NACHHALTIGKEITSGEDANKEN
Im Zuge der Sanierung folgten wir einem konsequent nachhaltigen Ansatz. Der Erhalt und die Weiternutzung historischer Bauten wie die Villa Seinerzeit verstehen wir als wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung – nicht zuletzt, weil die in ihnen gespeicherte graue Energie durch die lange Nutzungsdauer bewahrt wird.
Der jahrhundertealten Bautradition entsprechend wurden bei der Sanierung weitestgehend natürliche, ursprüngliche Materialien wie Lehm- und Kalkputz, Lehmfarben, Eichenholz, Bruchstein und Schiefer verarbeitet.
Der Umgang mit dem Bestand war geprägt von Wiederverwendung und Weiterdenken: Rückgebaute Materialien wurden sorgfältig recycelt und erneut eingesetzt. So fand etwa der beim Freilegen von Fachwerkwänden gewonnene historische Strohlehm unmittelbar wieder Verwendung. Zahlreiche originale Bauteile – von Holzkonstruktionen über Türen und Dielenböden bis hin zu Sprossenfenstern und Holztreppen – wurden behutsam restauriert. Auch Möbel und Antiquitäten aus dem Haus wurden sorgsam aufgearbeitet und in das neue Wohnkonzept integriert. Ehemalige Eichendielen erhielten in Form von maßgefertigten Einbauten und Möbeln ein neues Leben.

Ein behagliches und zugleich energieeffizientes Raumklima wurde durch den Einsatz ökologischer Dämmstoffe wie Holzfaserplatten sowie durch Niedertemperatur-Flächenheizungen erzielt, die ihre Wärme als sanfte Strahlung über Boden und Wände abgeben. Ergänzend sorgen Kaminöfen für zusätzliche Wärme und Atmosphäre.
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine moderne Pelletzentralheizung, die CO₂-neutral arbeitet und mit regional erzeugten Holzpellets betrieben wird. Der Strombedarf wird vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt.
Nicht zuletzt war die Zusammenarbeit mit überwiegend regionalen Handwerksbetrieben ein zentraler Bestandteil des Projekts – sie stärkt lokale Strukturen und trägt die gewachsene Verbundenheit mit dem Ort in die Zukunft.
„Es braucht Fingerspitzengefühl, in die Jahre gekommenen Räumen ihre Schönheit zurückzugeben. Aber dann sind sie etwas Besonderes.“















